Argumentationshilfen
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Sexuelle Vielfalt in der Bibel
Die Bibel que(e)r gelesen
1. Einleitung
Wie passen christlicher Glaube und Homo- bzw. Bisexualität zusammen? Für die Einen wirft dies große Frage auf, für Andere stellt sich die Frage kaum. Die Erfahrungen von queeren Personen in christlichen Gemeinden sind sehr unterschiedlich: Von Zuspruch und Halt bis hin zu Angst vor Ablehnung, Verurteilung und göttlicher Strafe ist alles dabei. Vor allem sogenannte bibeltreue Christ*innen (Fundamentalist*innen) lehnen Homosexualität ab und verurteilen sie als Sünde, die nicht von Gott gewollt ist. In solchen Momenten fühlt man sich oft hilflos, sowohl als selbst Betroffene*r als auch als Unterstützer*in. Wie kann man auf Aussagen wie „Das steht doch in der Bibel, es ist Sünde“ reagieren? Was sagt die Bibel wirklich? Gibt es einen Kontext, der das näher erläutert? Oder sogar positive Beispiele?
Allgemein
Ganz grundsätzlich müssen die Bibel und entsprechend auch die Stellen, die Homosexualität thematisieren im Kontext ihrer Entstehungszeit betrachtet werden. Sie können nicht wortwörtlich genommen und 1:1 auf die heutige Zeit übertragen werden.
Wenn in der Bibel über Homosexualität gesprochen wird, geht es um die Verurteilung von Sex als Mittel von Gewalt oder um die Verurteilung von Sex, der nicht der Fortpflanzung dient. Beispielsweise verurteilt eine häufig herangezogene Textstelle den Missbrauch von Männern an minderjährigen Jungen und nicht etwa einvernehmliche sexuelle Handlungen zwischen erwachsenen Menschen. Auch die Textstellen, die gleichgeschlechtlichen Sex verurteilen, da er nicht der Fortpflanzung dient, sind in ihrem historischen Kontext zu betrachten. Fortpflanzung war zum Entstehungszeitpunkt der Textstellen insbesondere für kleine Religionsgemeinschaften relevant, um ihr Bestehen durch Nachkommen zu sichern. Ein biologisch fundiertes Wissen über menschliche Fortpflanzung, Samen, Eisprung und Eizelle gab es zu dem Zeitpunkt noch nicht. Der Uterus wurde allein als Raum zum Austragen eines Samens betrachtet. So war jegliche Praktik verboten, mit der Samen „verschwendet“ wurden: coitus interruptus, männliche Masturbation, männlicher homosexueller Sex. Sex zwischen zwei Frauen aus diesem Grund eben nicht.
Homosexualität als Teil der eigenen Identität, als Frage der Lebensführung und Ausdruck von Nähe und Zuneigung auf Augenhöhe, wie wir sie heute verstehen, kennt die Bibel nicht.
,,Jesus war Homosexualität eigentlich vollkommen egal, er hat da nie drüber gesprochen und es demnach auch nicht verurteilt, das sieht man auch daran, wie wenig Informationen die Bibel und zu dem Thema gibt” – Dr. Sophia Niepert-Rumel, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Biblische Theologie an der Universität Paderborn.
In der Tiefe
Um noch sprachfähiger zu sein, werden im Folgenden einige gängige Aussagen und die entsprechenden Bibelstellen etwas tiefer betrachtet und aufzeigt, wie man darauf reagieren könnte.
2. Gängige ,,Argumente“ und was man dazu sagen kann
In der Debatte um die Frage, ob Glaube und Homo- bzw. Bisexualität vereinbar seien, werden immer wieder ähnliche Argumente genannt. Im Folgenden werden verschiedene Aussagen, ihre Hintergründe und mögliche Gegenargumente und Einordnungen vorstellt.
,,Homosexualität ist Sünde. Das steht in der Bibel“
- ,,Modernes Homosexualitätsverständnis“ vs. ,,Das Homosexualitätsverständnis der Bibel“
In der Bibel steht auch man solle keine Kleidung aus Mischgewebe tragen oder mit der Haut eines toten Schweines in Kontakt kommen. Somit dürfte man auch kein Fußball spielen und mit Leder in Kontakt kommen. Bei diesen Regeln sind sich alle einig, dass sie heutzutage keine Relevanz mehr haben. Denn die Bibel ist ein Buch, das im Kontext seiner Entstehungszeit betrachtet werden muss. Ähnlich verhält es sich beim Thema Homosexualität. Das heutige Verständnis von Homosexualität ist nicht mit dem in der Bibel zu vergleichen. Zur Zeit der Entstehung der Bibel war Sexualität im Allgemeinen nicht mit der eigenen Identität verbunden und Sex diente vorrangig der Fortpflanzung. Er wurde auch als Macht- oder Unterdrückungsmechanismus verwendet. Das heißt, wenn die Schreiber der Bibel von Homosexualität sprechen, meinen sie nicht die gleichgeschlechtliche Liebe und Partnerschaft zwischen zwei Personen, die ebenfalls eine sexuelle Verbindung miteinander haben, sondern den rein sexuellen Akt zwischen zwei gleichgeschlechtlichen Personen bzw. Sex als Mittel von Gewalt.
- Keine große Relevanz innerhalb der Bibel
Die Stellen, in denen innerhalb der Bibel über Homosexualität gesprochen wird, sind verschwindend gering. Viele dieser Stellen sind in ihrer Lesart und Deutung nicht eindeutig. Das wird vor allem sichtbar, wenn man sich die Originaltexte anschaut und auf die genaue Wortbedeutung achtet oder sich den größeren Kontext der Bibelstellen anschaut. Es gibt beispielsweise keine Bibelstelle, in der Jesus über Homosexualität spricht. Dies zeigt, dass es sich hierbei um ein wesentlich unkritischeres Thema handelt, als es oft dargestellt wird.
,,Das ist wie bei Sodom und Gomorra“
- Missbräuchliche Verwendung der Erzählung
Die Erzählung von Sodom und Gomorra wird oft fälschlicherweise als Argument gegen Homosexualität verwendet.
Die Erzählung: Zwei Engel besuchen Lot in Sodom. Lot nimmt die beiden gastfreundlich auf. Daraufhin versammeln sich sämtliche Männer aus Sodom rund um das Haus von Lot und fordern ihn auf die beiden Gäste rauszugeben. Die Männer wollten die Gäste vergewaltigen. Lot bietet stattdessen seine Töchter an. Er wollte das Gastrecht gegenüber dem Fremden schützen und war dafür bereit seine Töchter auszuliefern. Die beiden Engel traten daraufhin heraus und vertrieben die Männer. Bis auf die Familie Lots wollten die Engel nun alle Bewohner Sodoms vernichten.
Lange Zeit wurde diese Geschichte herangezogen, um Homosexualität zu verurteilen. Mit Homosexualität haben die Männer, die die Engel vergewaltigen wollten, jedoch rein gar nichts zu tun. Es handelt sich hier um sexualisierte Gewalt, Machtausübung und Fremdenfeindlichkeit. Auch, dass Lot sexualisierte Gewalt gegenüber seinen Töchtern in Kauf genommen hätte, ist das eigentlich zu verurteilende an der Geschichte.
3. Ein genauer Blick in die Bibel:
Die wenigen Stellen der Bibel, in denen es um Homosexualität geht, sind nicht so deutungsklar wie es oft dargestellt wird.
1.Korinther 6,9
- ,,Ist euch denn nicht klar, dass für Menschen, die Unrecht tun, in Gottes Reich kein Platz sein wird? Täuscht euch nicht: Wer sexuell unmoralisch lebt, Götzen anbetet, die Ehe bricht, wer sich von seinen Begierden treiben lässt und homosexuell verkehrt, wird nicht in Gottes Reich kommen;“
- Kor 6,9 Bibelübersetzung: Hoffnung für alle
In dieser Bibelstelle nennt Paulus eine Liste von Verhaltensweisen, die vom Reich Gottes ausschließen. Dazu gehört laut der Bibelübersetzung „Hoffnung für alle“ auch Homosexualität.
Auch an dieser Stelle gilt es jedoch zu beachten, dass bei einer Übersetzung immer Interpretationen der Übersetzenden einfließen und die Übertragung von einer Sprache in eine andere häufig Herausforderungen mit sich bringt. Zum Beispiel gibt es in kalten Regionen viel mehr Wörter für Schnee als in Wärmeren. Eine genaue Übersetzung gestaltet sich hier also schwierig.
Die Übersetzung der Bibelstelle Korinther 6,9 steht vor ähnlichen Herausforderungen. So werden im griechischen Ursprungstext die Worte „Arsenokoitai” und „Malakos” verwendet. Die Verwendung dieser Worte wirft bereits Fragen bezüglich der Übersetzung und Interpretation auf, da das Griechische viele andere, sehr viel geläufigere Begriffe für gleichgeschlechtlichen Sex kennt.
Das Wort „malakos” bedeutet eigentlich „weich” und wird somit als „Weichling” übersetzt, was jemanden bezeichnet, der moralisch nicht gefestigt ist. Das Wort „arsenokoitai” taucht erst im Wortschatz von Paulus auf und wurde zuvor nicht verwendet. Es besteht aus den einzelnen Wörtern „Mann” und „Geschlechtsverkehr”, wobei die genaue Beziehung der Wörter zueinander unklar ist.
Die Bibelübersetzung „Hoffnung für alle“ ist eine der wenigen Übersetzungen, die diese Stelle mit Homosexualität übersetzt. In der Lutherübersetzung von 2016 heißt es hingegen „Knabenschändung”. Laut Elberfelder Übersetzung heißt es „mit Männern schlafen” und meint damit Jungen, die von Männern missbraucht werden oder minderjährige Jungen, die sich prostituieren, was aus heutiger Sicht ebenfalls Missbrauch darstellt.
Es zeigt sich: eine wortgetreue Übersetzung ist schlicht nicht möglich und es lässt sich nicht abschließend klären, was an dieser Stelle genau gemeint ist.
Leviticus 18,22 und 20,13
- ,,Ein Mann darf nicht mit einem anderen Mann schlafen, denn das verabscheue ich.“
Lev.18,22 Bibelübersetzung: Hoffnung für alle
,,Wenn ein Mann mit einem anderen Mann schläft, ist dies eine abscheuliche Tat. Beide sollen mit dem Tod bestraft werden, ihre Schuld fällt auf sie zurück.“
Lev. 20,13 Bibelübersetzung: Hoffnung für alle
Auch bei diesen Stellen ist die verwendete Bibelübersetzung von entscheidender Bedeutung. Wichtig ist, diese Stellen im Kontext zu betrachten. Sie richtet sich an eine Bevölkerungsgruppe, die unter Fremdherrschaft lebt, in der Minderheit ist und bei der Fortpflanzung ein hohes Gut darstellt. Dabei wird der männliche Samen als kostbar angesehen, um durch Nachkommen den Fortbestand der eigenen Religionsgemeinschaft zu sichern. Dieser Samen werde bei männlichem, gleichgeschlechtlichem Sex „verschwendet“. Dass sich diese Stelle eher auf die Fortpflanzung als solche bezieht und dabei der Samen im Vordergrund steht, lässt sich auch damit begründen, dass gleichgeschlechtlicher Sex zwischen Frauen gar nicht erwähnt wird, da es dabei keinen Samen gebe, den es zu schützen gelte. Das biologische Wissen um Samen, Eisprung und Eizelle gab es damals noch nicht. Der Uterus wurde allein als Raum zum Austragen des Samens betrachtet.
Es zeigt sich: sowohl der historische Kontext als auch das Wissen um Biologie stehen einer Übertragung dieser Textstelle auf die heutige Zet im Weg.
Wenn Homosexualität wirklich wider Gottes Wille sei, lässt sich auch die Frage stellen, wieso Homosexualität im Tierreich natürlicherweise vorkommt. Dies lässt die Vermutung entstehen, dass Homosexualität durchaus in der Schöpfung verankert und gewollt ist.
4. Positiv Beispiele der Bibel
In der Bibel gibt es nicht nur vermeintlich negative Aussagen, sondern auch positive Beispiele. So lässt sich in der Geschichte Davids eine Liebesgeschichte zwischen zwei Männern entdecken.
David und Jonathan werden oft als beste Freunde dargestellt werden. Verschiedenste Stellen zeigen jedoch, dass sie sehr wahrscheinlich mehr als beste Freunde waren.
,,Als der Junge weggegangen war, stand David hinter dem Steinhaufen auf und fiel auf sein Gesicht zur Erde und beugte sich dreimal nieder. Und sie küssten einander und weinten miteinander, David aber am allermeisten“ 1.Sam 20, 41
,,Und es geschah, als er aufgehört hatte, mit Saul zu reden, verband sich die Seele Jonatans mit der Seele Davids; und Jonatan gewann ihn lieb wie seine eigene Seele.“ 1.Sam 18, 1
,,Und Jonatan und David schlossen einen Bund, weil er ihn lieb hatte wie seine eigene Seele.“ 1. Sam 18,3
,,Mir ist weh um dich, mein Bruder Jonatan! Über alles lieb warst du mir. Wunderbar war mir deine Liebe, mehr als Frauenliebe.“ 2.Sam 1,26
5. Weitere Informationen und Anlaufstellen
https://www.evangelisch-in-westfalen.de/themen/queer-in-der-ekvw/
OutInChurch – Für eine Kirche ohne Angst
https://gender.ekir.de/inhalt/queer/
Verfasserin: Naomi Grützbach, Praktikantin der Landesfachstelle blick*, Studentin
Lektorat: Imke Heller, Landesfachstelle blick*
Quellen:
Stefan Scholz ,,Homosexualität NT” September 2012 in Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (WiBiLex)
Martin Vorländer ,,Was steht in der Bibel zu Homosexualität” 2023, EKHN
Thomas Hieke ,,Homosexualität (AT)” 2021 in Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (WiBiLex).
Kerstin Söderblom „Sodom und Gomorrha queer gelesen“ in evangelisch.de https://www.evangelisch.de/blogs/kreuz-queer/200045/20-04-2022
Toiletten
All gender Toiletten - warum und wie?
Toiletten in öffentlichen Gebäuden werden meist binär nach Geschlecht getrennt: es gibt Damen- und Herrentoiletten. Wenn eine Person, deren Äußeres scheinbar nicht zum Schild an der Tür passt, eine geschlechtsspezifische Toilette besucht, kann das schnell zu ungewollter Aufmerksamkeit oder Konflikten führen. Zudem befinden sich Wickeltische und Mülleimer häufig ausschließlich in den Damentoiletten. Geschlechtsneutrale Toiletten gibt es bisher selten, können aber ein großer Schritt dabei sein, Diskriminierung und Barrieren beim Toilettengang abzubauen. Verschiedenste Personen können davon profitieren, zum Beispiel:
- Eine Person mit nicht-binärer Geschlechtsidentität
- Ein Vater, der sein Kind wickeln möchte
- Ein trans* Mann, der menstruiert
- Eine Frau mit Behinderung, die eine männliche Assistenzperson hat und deren Hilfe beim Toilettengang benötigt
- Ein Elternteil mit Kindern unterschiedlicher Geschlechter
- Eine Person, deren Äußeres scheinbar nicht zur Kennzeichnung der Toilette passt (das kann sowohl trans*-, inter*– als auch cisgeschlechtliche Menschen betreffen)
Was sind konkrete Möglichkeiten, Toiletten inklusiver zu machen?
- Planen Sie bei Sanierungs- oder Umbauarbeiten sowie Neubauten geschlechtsneutrale WCs mit ein. Es gibt aber auch Möglichkeiten ohne aufwändige bauliche Maßnahmen:
- Wenn es jeweils mehrere Frauen- und Männertoiletten (zum Beispiel in verschiedenen Etagen) gibt, können Sie einige der bestehenden Toiletten als geschlechtsneutral umwidmen. Diese sollen stets eine Ergänzung zu bestehenden geschlechtsspezifischen Toiletten sein. Räumlich vollständig abgeschlossene Einzeltoiletten, die direkt über den Flur erreichbar sind, können besonders einfach als geschlechtsneutrale Toilette dienen.
- Stellen Sie Wickeltische, Mülleimer in den Kabinen und gegebenenfalls kostenlose Menstruationsprodukte in allen Toiletten unabhängig des Geschlechts zur Verfügung. Schildern Sie aus, in welchen Räumen es z.B. Wickeltische gibt.
- Dass es neutrale Toiletten gibt, sollte intern und öffentlich kommuniziert und z.B. durch Ausschilderung sichtbar gemacht werden. Dazu zählt nicht nur die Beschilderung an der Tür, sondern ggf. auch im Leitsystem des Gebäudes.
- Vermeiden Sie bei der Beschilderung die Nutzung von Symbolen, die binäre Geschlechterstereotype bedienen – wie die Figuren mit Rock oder Hose für Mann und Frau. Mögliche Beschriftungen für die neutralen Toiletten sind z.B. „WC für alle Geschlechter“ (engl. „All-gender toilet“) oder ganz neutral „WC“. Eine andere Version könnte sein, außen zu kennzeichnen, welche Art von Toilette hinter der Tür zu finden ist (bspw. „Pissoir“, „Sitztoilette mit Kabine“)
- Machen Sie sich klar, dass neutrale Toiletten neben trans*, nicht-binären oder inter* Personen noch vielen weiteren Personengruppen helfen können. Sensibilisieren Sie in Ihrer Institution auch dafür, falls es Gegenwind oder Zweifel an der Wichtigkeit neutraler Toiletten geben sollte, zum Beispiel durch Infotexte direkt in den Sanitärräumen. Wir Menschen sind es längst gewohnt, solche Toiletten zu benutzen, wie beispielsweise bei uns Zuhause, in Praxen, Zugtoiletten und in öffentlichen Räumen.
Weitere Informationen finden Sie beispielsweise auf den Seiten der Fachstelle für trans*, inter* und nicht-binäre Lebensweisen (TIN) oder der Deutschen Gesellschaft für Trans*- und Inter*geschlechtlichkeit e.V. (dgti). In einigen Bereichen gibt es Modellprojekte und themenspezifische Informationen, zum Beispiel das Projekt .
Rechtslage
Arbeitgeber*innen sind bei der Einrichtung von Sanitärräumen, also Toiletten, Umkleiden und Waschräumen an die Arbeitsstättenverordnung gebunden. Diese verpflichtet zur Einrichtung getrennter Sanitärräume für Männer und Frauen. Kleinere Betriebe können die Räume so einrichten, dass eine zeitlich getrennte Nutzung möglich ist.
Zusätzliche geschlechtsneutrale Sanitärräume einzurichten, stellt zum aktuellen Zeitpunkt eine rechtssichere Lösung dar. Auch wenn die Arbeitsstättenverordnung seit Einführung der dritten Geschlechtsoption „divers“ im Personenstandsrecht 2018 noch nicht angepasst wurde.
Im Falle eines Neubaus hat der Verein Deutscher Ingenieure eine bautechnische Richtlinie veröffentlicht, die praktische Hinweise zur Bemessung, Ausstattung und Ausführung inklusiver, geschlechterunspezifischer Toilettenanlagen bietet. Mehr Informationen
Sport
Auf die Plätze..! - Aber welche?
Sportstätten sind für lesbische, schwule, bisexuelle, trans* und inter* Personen (im Folgenden als „queere Personen“ zusammengefasst) nicht immer ein Raum, in dem sie sich wohl und sicher fühlen. Statistiken zeigen, dass queere Personen deutlich seltener an Sportangeboten teilnehmen. Dabei ist Sport elementar, um gesund zu bleiben, ein gutes Körpergefühl zu entwickeln und ist ein wichtiger Faktor für gesellschaftliche Teilhabe. Die meisten Vereine sind offen für Vielfalt. Häufig ist dies für queere Personen aber nicht eindeutig und sie machen sich Sorgen, fehl am Platz oder unerwünscht zu sein.
Das können Sie tun, um queeren Personen Ihre Offenheit zu signalisieren und möglichst diskriminierungsarme Räume zu schaffen:
- Haltung zeigen und Diversität sichtbar machen
- Sprechen Sie alle Menschen an und zeigen Sie Vielfalt auf Plakaten, der Website und in der sonstigen Öffentlichkeitsarbeit.
- Werden Sie Teil der RESPECT!-Kampagne und platzieren Sie den bunten RESPECT!-Aufkleber an Vereinsheimen und Sporthallen, um Offenheit nach außen zu tragen. Der Aufkleber markiert offene Orte für LSBTIQ* Personen. Begleitend erhalten Sie Broschüren und Flyer mit lokalen Anlaufstellen und allgemeinen Informationen. Mehr Informationen finden Sie bei der hier.
- Reagieren Sie auf queerfeindliche Äußerungen und Handlungen, indem Sie zum Beispiel bei Teambesprechungen klare Worte finden, Einzelgespräche nach diskriminierendem Verhalten führen und, bei wiederholtem Regelbruch, Konsequenzen aussprechen.
- Inklusive Teams und Trainingsgruppen
- Führen Sie sich vor Augen, dass binär getrennter Sport trans*, inter* und nicht-binäre Personen ausschließt. Erarbeiten Sie Lösungen, die zu Ihren Strukturen passen. Unterstützung in dem Prozess können Sie zum Beispiel bei der Landeskoordination Trans* NRW
- Klären Sie bestehende Teams auf, schaffen Sie Formate, die queere Personen integrieren und Partizipation zulassen.
- Schaffen Sie gegebenenfalls gemischtgeschlechtliche oder LSBTIQ* spezifische Teams und Angebote.
- Lassen Sie trans* Personen bei nach Geschlecht getrennten Angeboten wenn möglich selbst entscheiden, zu welcher Gruppe diese gehen wollen und wann/ob sie nach einem Coming-out wechseln wollen.
- Führen Sie sich vor Augen, dass binär getrennter Sport trans*, inter* und nicht-binäre Personen ausschließt. Erarbeiten Sie Lösungen, die zu Ihren Strukturen passen. Unterstützung in dem Prozess können Sie zum Beispiel bei der Landeskoordination Trans* NRW
- Infrastruktur und Formulare
- Stellen Sie geschlechtsneutrale Orte zum Umkleiden und ggf. Duschen bereit. Wenn die Räumlichkeiten begrenzt sind, können zum Beispiel die Umkleide für Schiedsrichter*innen oder Trainer*innen in einem festgelegten Zeitfenster dafür verwendet werden – suchen Sie nach kreativen Lösungen!
- Stellen Sie geschlechtsneutrale Toiletten zur Verfügung, sofern möglich. Wenn es mehr als zwei Toiletten gibt, können Sie zum Beispiel eines zu einem “WC für alle” umwandeln.
- Gehen Sie sensibel mit persönlichen Daten um, wenn sich zum Beispiel trans* Personen unter ihrem alten Namen anmelden (müssen).
- Fragen Sie das Geschlecht nicht auf Formularen (z.B. Anmeldung, Mitgliedsantrag) ab, wenn es nicht relevant ist – und wenn doch, fügen Sie die Optionen „divers“ und/oder „keine Angabe“ hinzu. Wenn Sie das vor Herausforderungen stellt, wie beispielsweise bei Angebotsgestaltung oder Mannschaftszusammensetzung, beziehen Sie betroffene Personen in Entscheidungen mit ein und suchen Sie Anregungen zum Beispiel bei der Landeskoordination Trans* NRW. Diese bietet etwa eine eigene Broschüre zur Teilhabe von trans* und nicht-binären Menschen im Sport zum kostenlosen Download.
- Sensibilisierung und Bildung im Verein
- Sensibilisieren Sie Vereinsmitglieder, Trainer*innen und Personal zum Thema LSBTIAQ*, indem Sie Bildungsmöglichkeiten bereitstellen.
- Bestimmen Sie eine oder mehrere Vertrauenspersonen im Verein oder der Mannschaft, an die sich queere Personen wenden können. Kommunizieren Sie intern klar, dass es eine solche Person gibt, damit das Angebot genutzt werden kann und z.B. Trainer*innen wissen, an wen sie verweisen können.
- Nehmen Sie in Ihrer Satzung oder Ihrem Vereinsleitbild einen Paragraphen zu Antidiskriminierung auf oder erweitern Sie diesen, sodass explizit LSBTIAQ* Personen darin eingeschlossen werden.
